26.11.2013
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Info-Veranstaltung am 18.11.2013 - Hochwasserschutz im Polder Sand-Entau

Info-Veranstaltung am 18.11.2013 - Hochwasserschutz im Polder Sand-Entau

Aiterhofen/Irlbach: (st) Am letzten Montag wurden von hochrangigen Vertretern der Wasserwirtschaft und der RMD die Ziele des Hochwasserschutzkonzeptes und die geplanten Schutzsysteme im Polder Sand-Entau vorgestellt. Bürgermeister Manfred Krä konnte im Beisein seines Bürgermeisterkollegen Peter Bauer über zahlreiche interessierte Bürger aus den beiden Gemeinden Aiterhofen und Irlbach, die von der Maßnahme betroffen sind, begrüßen. Die Kapazität des Sitzungssaales im Gründerzentrums Industriegebiet Straubing-Sand war mit dieser Veranstaltung mehr als ausgelastet.

Bürgermeister Manfred Krä, der die Veranstaltung moderierte, sprach das Juni-Hochwasser an und erinnerte eindringlich daran, dass ein Deichbruch mit allen Folgen jederzeit möglich gewesen wäre. Baudirektor Johannes Schiller von der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt – Außenstelle Süd informierte über den Verkehrswasserbau, aus dem sich der Hochwasserschutz entwickelte. Dr.-Ing. Markus Schmautz, Geschäftsführer der RMD stellte dann das Planfeststellungsverfahren für den Ausbau des Hochwasserschutzes für die 38 km lange Strecke zwischen Straubing und Vilshofen vor. Träger des Vorhabens ist die Bundesrepublik Deutschland und der Freistaat Bayern, beide vertreten durch die Rhein-Main-Donau aG (RMD). Mit verschiedenen vorgezogenen Maßnahmen wurden in den letzten 10 Jahren bereits 140 Mio Euro verbaut, so z.B. in Hermannsdorf und voraussichtlich im nächsten Jahr zwischen Hermannsdorf und Ainbrach.

Von Dr. Ing. Markus Fischer (RMD) wurde anschließend die Planung vorgestellt. Die neuen Deichlinien beginnen im Bereich der Hafeneinfahrt Sand. Nach einer kurzen Deichstrecke wird dort im sehr engen Siedlungsbereich eine aufgesetzte Hochwasserschutzmauer errichtet. Nach Ende der Wohnbebauung wird der bestehende Deich landseitig aufgehöht. Der neue Deich kreuzt im weiteren Verlauf die alte Straße SR 12, die in diesem Bereich für den Fall eines Hochwassers einen mobilen Hochwasserschutz bekommt (z.B. Deichbalkenverschluss). Der Deich führt dann in südlicher Richtung weiter, wo am Lohgraben ein neues Siel und ein Schöpfwerk errichtet werden muss. Der Deich verläuft weiter zur SR 12 neu, wo ebenfalls ein mobiler Hochwasserschutz erforderlich ist. Wenige Meter südlich davon, hört der Deich am Geländehochrand auf.

Die alte SR12 zwischen Sand und dem Ortseingang von Hermannsdorf wird nicht verändert. Diese wird bei einem hundertjährlichen Hochwasserereignis künftig etwa um 15 cm überströmt und die dahinterliegenden Flächen wie bisher überschwemmt. Am Ortseingang Hermannsdorf ist auf der SR 12 alt ebenfalls ein mobiles Hochwasserschutzsystem geplant. Die Ortsbereiche Hermannsdorf/Ainbrach werden zur Donau hin mit neuen und erhöhten Deichen bzw. einer aufgesetzten Hochwasserschutzmauer geschützt. Im Bereich Sophienhof/Entau wird ein neuer zurückverlegter Deich auf einem Schutzniveau HW 100 der Donau errichtet. Der bestehende Deich weiter vorne an der Donau wird abgetragen. Zwischen den Bereichen Sophienhof/Entau und Hermannsdorf/Ainbrach wird neben der Straße ein Deich auf HW 100 donauseitig errichtet. Um im Hochwasserfall aus Sopheinhof/Entau Richtung Norden und damit zur Donaubrücke bei Bogen fahren zu können, muss auch die Verbindungsstraße hinter dem Deich auf ein HW100 binnenseitig ausgebaut werden. Die erhöhte Straße liegt so etwa einen Meter unter der neuen Deichoberkante. An der südlichen Ausfahrt von Entau Richtung Irlbach ist ebenso ein mobiler Hochwasserschutz geplant, um ein Eindringen des Hochwassers aus Richtung Süden zu verhindern.

Zum Schutz der Siedlungsbereiche in Entau/Sophienhof und Hermannsdorf/Ainbrach werden im Binnenland zusätzliche Deichlinien bzw. im unmittelbaren Ortsbereich Entau eine Hochwasserschutzwand errichtet. Dadurch wird sichergestellt, dass die Bewohner auch bei einer Überschwemmung des Binnenlandes über die SR12 alt zwischen Sand und Hermannsdorf sowie Entau und Irlbach sowohl von der Seite der Donau als auch vom Binnenland her gegen ein hundertjährliches Hochwasser geschützt sind. Sollte dieser Rückhalteraum mit Wasser beaufschlagt werden, läuft das Wasser nach dem Ablaufen der Hochwasserwelle in der Donau auf natürlichem Wege sowie über die bestehenden Gräben und Schöpfwerke wieder zurück in die Donau. Der heutige Schutzgrad des Binnenlandes bleibt erhalten, wohingegen der Schutzgrad in den Ortschaften deutlich erhöht wird.

Sämtliche Deiche und Hochwasserschutzmauern im gesamten Bereich werden mit ausreichenden Deichüberfahrten und Durchlässen versehen. Gleiches gilt für die Durchleitung der bestehenden Bäche und Gräben. Hier sind entsprechende Sielbauwerke geplant. Sollten im Bereich der neuen Deichtrassen Drainagen durchschnitten werden, dann werden diese erneuert und neu gefasst zu den Schöpfwerken geleitet.

In der anschließenden ausführlichen Diskussion mit den Betroffenen wurde von BOR Siegfried Ratzinger vom Wasserwirtschaftsamt Deggendorf nochmals betont, dass mit dem vorliegenden Hochwasserschutzkonzept geschlossene Siedlungsbereiche, Gewerbegebiete sowie wichtige Infrastrukturelle Einrichtungen gegen ein 100-jährliches Hochwasser geschützt werden. Zu berücksichtigen ist jedoch ausdrücklich die Vermeidung von nachteiligen Auswirkungen auf die Unterlieger. Zudem sind natürliche Überschwemmungsflächen zu erhalten bzw. wiederherzustellen. Nach über dreistündiger Dauer der Info-Veranstaltung bedankte sich Bürgermeister Manfred Krä bei den Besuchern für dies äußerst sachlichen Wortbeiträge und Anregungen, die von den Planern auch gerne aufgenommen wurden. Ein weiterer Info-Termin soll Anfang nächsten Jahres anberaumt werden.

Bild: Bürgermeister Manfred Krä bei der Begrüßung mit Bürgermeister Peter Bauer, Dipl.Ing. Siegfried Ratzinger (WWA Deggendorf), Dipl.Ing. Marian Piekarski, Dr.-Ing. Markus Fischer und Dr.-Ing. Markus Schmautz von der RMD sowie Baudirektor Johannes Schiller (Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt – Außenstelle Süd)

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